FFVT on point: Völkermord, Vertreibung und Flüchtlingsrecht
Vom Schutz bis zur Abschiebung irakischer Jesiden in Europa
Dr. Aleksandra Ancite-Jepifánova wird ihre Forschungsergebnisse vorstellen und diskutieren, in denen sie die Auswirkungen zeitlicher Begrenzungen im europäischen Flüchtlingsrecht bei Fällen von Völkermord – einer extremen Form gruppenbezogener Verfolgung – untersucht. Der Fall der irakischen Jesiden, einer nicht-muslimischen religiösen Minderheit, die 2014 dem Völkermord durch den IS ausgesetzt war, bietet in dieser Hinsicht ein paradigmatisches Beispiel. Zehntausende Jesiden haben in Europa, insbesondere in Deutschland, Schutz gesucht. Nach der territorialen Niederlage des IS kamen die Behörden zu dem Schluss, dass die gruppenbezogene Verfolgung beendet sei, was faktisch eine zeitliche Begrenzung für den Völkermord bedeutete. Nach einem informellen Rückübernahmeabkommen mit dem Irak aus dem Jahr 2023 hat Deutschland begonnen, Jesiden abzuschieben, unter anderem in genau jene Binnenflüchtlingslager, aus denen sie einst geflohen waren. Dr. Aleksandra Ancite-Jepifánova wird einen Vortrag zu diesem Thema halten, gefolgt von einer Diskussion mit dem Diskutanten Farhad Shamo Roto und dem Publikum.
Dr Aleksandra Ancite-Jepifánova ist eine interdisziplinäre Rechtswissenschaftlerin, die an der Schnittstelle von Konflikt, Vertreibung, Menschenrechten und Flüchtlingsrecht in Europa und im Nahen Osten forscht. Sie hat an der Queen Mary University of London in Rechtswissenschaften promoviert und ist derzeit FFVT-Stipendiatin am Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc). Außerdem ist sie der Refugee Law Initiative der University of London sowie dem Democracy Institute der Central European University angegliedert.
Farhad Shamo Roto ist Stipendiat des Programms „Refugees International Alumni“ und Gründer von „Voice of Ezidis“, einer Organisation, die sich für die Belange der Jesiden einsetzt. Er ist Mitautor des Berichts „Humanitäre Wege und die Familienzusammenführung von Jesiden in Europa zehn Jahre nach dem Völkermord“.
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Die Veranstaltung findet online als Zoom-Meeting statt.
Meeting ID: 697 7510 5150
Code: FFVT2026
Das Event ist kostenlos.